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20.01.12 11:35 Alter: 7 yrs

Gebet

 

Jeder von uns braucht das Gebet. Schwester Faustyna schreibt: In welchem Zustand die Seele sich auch befindet, sie sollte beten. – Eine reine und schöne Seele muss beten, sonst verliert sie ihre Schönheit; eine nach Reinheit strebende Seele muss beten, sonst gelangt sie nicht zur Reinheit; die eben erst bekehrte Seele muss beten, sonst würde sie wieder rückfällig; eine sündige, in Sünden versunkene Seele muss beten, um sich erheben zu können. Es gibt keine Seele, die nicht zu Gebet verpflichtet wäre, denn jede Gnade fließt herab durch das Gebet (Nr. 146).

Das Gebet verwandelt uns, im Gebet werden wir mit dem Heiligen Geist beschenkt. Als Jesus betete, wurde sein Gewand leuchtend weiß (vgl. Mk 9,3), das Aussehen seines Gesichts veränderte sich (vgl. Lk 9,29). Während des Gebets werden wir also verwandelt. Wir selbst können das nicht vollbringen. Mit unserer Willenskraft können wir z.B. früher aufstehen, aber wir können nicht mehr liebevoll an Menschen denken, mit denen wir verfeindet sind. Das kann nämlich nur der Heilige Geist in uns vollbringen. Er wird uns meistens während des Gebets geschenkt. Jesus selbst hat uns das offenbart. Als er betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab (Lk, 3,21-22).

Das Gebet bewirkt, dass eine Mutter ein weiteres Kind annimmt, obwohl sie keines mehr wollte. Das Gebet bewegt einen Mann, früher nach Hause zurückzukehren.

Das Gebet ist ein Zeichen der Demut. Und Demut ist der Motor des Gebets (Hl. Johannes Chrysostomus). Hochmütige beten nicht, weil sie sich selbst genügen. Demütige hingegen beten, obwohl niemand sie dazu zwingt.

Das Gebet ist auch Ausdruck unserer Bindung an Gott. Wenn uns an jemandem etwas liegt,  suchen wir Kontakt zu ihm, wollen wir mit ihm sprechen. Ähnlich ist es in unserer Beziehung zu Gott. Im Gebet beweisen wir, dass wir bei ihm sein wollen. Nicht zu beten bedeutet, dass Gott uns gleichgültig geworden ist. Das Gebet gibt Glück. Schwester Faustyna schreibt: Meine glücklichsten Stunden sind die, in denen ich mit meinem Herrn allein bin (Nr. 289).

Normalerweise rechtfertigen wir uns damit,  keine Zeit für das Gebet zu haben, weil uns die Last unserer Pflichten erdrückt. Wir stellen fest, dass schwangere Frauen sich in ihren Aktivitäten einschränken. Sie tragen neues Leben in sich. Ihr Beispiel verlangt, dass wir Gottes stille Anwesenheit in uns entdecken. Dann wird es auch uns leichter fallen, innezuhalten, um bei ihm zu sein und die Worte Schwester Faustynas zu erleben: Überall gehe ich mit Jesus, Seine Anwesenheit begleitet mich (Nr. 486).

Das Gebet verlangt Ausdauer. Im Buch Exodus (Ex17,8-13) wird der Kampf der Israeliten gegen Amalek beschrieben. Es zeigte sich, dass der Sieg nicht von den unmittelbar am Kampf Beteiligten abhing, sondern von Mose, der auf dem Berg stand und seine Arme zu Gott erhob. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker, sooft er aber die Hände sinken ließ, war Amalek stärker (V.11). Schließlich siegte Israel, denn Moses Hände wurden – obwohl sie vor Müdigkeit einschliefen - von Aaron und Hur ausdauernd gestützt (vgl. V.12).

Aus dem oben angeführten Ereignis aus der Heilsgeschichte erkennen wir, dass das Gebet eine harte Arbeit ist. Erhobene Hände sind dafür ein Symbol. Es ist anstrengend, die Hände erhoben zu halten. Wir kennen die Versuchung, unser Gebet zu verkürzen, besonders dann, wenn wir müde und unsere Gedanken nicht bei Gott sind. Im Tagebuch lesen wir: Jesus gab mir zu erkennen, wie treu die Seele im Gebet zu sein hat, trotz Qualen, Dürre und Versuchungen, denn von solchem Gebet hängt vorwiegend die Verwirklichung manchmal großer Pläne Gottes ab. Falls wir aber in solchem Gebet nicht ausharren, durchkreuzen wir, was Gott durch uns oder in uns vollbringen wollte (Nr. 872).

Das Gebet vereinigt uns mit Gott. Sein Friede geht auf uns über. Wir fürchten uns nicht mehr. Wir sind gegen alle Schicksalsschläge gefeit. Es ist, als ob wir uns in einem Felsen befinden, der uns Geborgenheit gibt. Wir erleben Gott als unser Schild (vgl. Ps 3,4).

Wenn wir in diesem Schutz leben wollen, müssen wir im Gebet ausdauernd sein. Normalerweise fällt es uns schwer mit jemandem zu sprechen, den wir nicht kennen oder dem wir nur selten begegnen. Das Gespräch kann dann schon nach ein paar Sätzen über das Wetter beendet sein. Wenn es keine beständigen Kontakte gibt, werden auch die Verwandtschafts- und Freundschaftsbande lockerer. Deswegen ist es notwendig, bestimmte feste Tageszeiten für das Gebet zu haben. Schwester Faustyna bemerkte dazu: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wenn ich in der vorgesehenen Zeit ein Gebet nicht verrichtet hatte, so konnte ich es auch später nicht verrichten, weil es meine Verpflichtungen nicht zuließen, und wenn ich es trotzdem verrichtete, dann unter großer Schwierigkeit (Nr. 147).

Das Gebet verlangt auch eine entsprechende Haltung von uns. Die Muttergottes von La Salette fragte die Kinder, ob sie gut beteten. Das Geheimnis eines guten Gebetes wird uns von Jesus enthüllt: Und wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm (Mk 11,25). Es gibt Menschen, die viel beten und zugleich Widerwillen oder sogar Abscheu gegenüber einem Mitmenschen empfinden. Ein solches Gebet erreicht den Himmel nicht. Es wird die Decke des Raumes, in dem gebetet wird, nicht durchbrechen. Es wird auf den Lippen des Betenden bleiben. Wenn Gebet wirksam sein soll, muss es von Barmherzigkeit durchdrungen sein. Niemand darf ausgeschlossen sein. Jesus sagte zu Schwester Faustyna: Das Herz Meiner Braut muss Meinem Herzen ähnlich sein. Aus ihrem Herzen muss die Quelle Meiner Barmherzigkeit für die Seelen sprudeln, sonst bekenne Ich Mich nicht zu ihr (Nr. 1148).

Gott gefällt die Fürbitte, vor allem für Sünder. „Für“ bedeutet „zugunsten“. Dieses Gebet ärgert den Bösen besonders. Schwester Faustyna schreibt: [...] während ich für die Sünder betete [...], erfuhr ich Angriffe vom Satan. Der böse Geist konnte das nicht ertragen. [...] Ich sah, dass mein Leiden und Gebet [...] viele Seele aus seinen Klauen rissen (Nr. 1464-1465). 

Das Gebet wird vom Wort Gottes gespeist. Jesus legte Schwester Faustyna mehrmals Texte aus dem Evangelium nahe, damit sie aus ihnen betete: Heute wirst du das Evangelium des heiligen Johannes, Kapitel fünfzehn, lesen. Ich wünsche, dass du es sehr langsam liest (Nr. 1757). Das Wort Gottes belebt unser Gebet und exorziert uns, das heißt es entfernt aus uns den bösen Geist.

Die Väter der Wüste lehrten, dass derjenige, der nur auf den Knien betet, wenig betet. So machten sie darauf aufmerksam, dass man sich nicht nur auf festgelegte Gebete beschränken soll. Sie ermutigten dazu, auch während der täglichen Beschäftigungen bei Gott zu verharren. Besonders empfahlen sie das Jesus-Gebet, ein Gebet, das den Namen Jesu beinhaltet, z.B. das Gebet des Blinden: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir (Mk 10,47). Ein weiteres Jesus-Gebet  ist auch der Ruf:  Jesus, ich vertraue auf Dich (Nr. 327).

Das Jesus-Gebet ist kurz, man kann es mehrmals zu jeder Tageszeit, auch bei der Arbeit, wiederholen. Der böse Geist empfindet Furcht vor ihm, er hat Angst vor dem Namen Jesu. Auch Schwester Faustyna sagt uns das: Ein Nichts sind mir alle Mächte der Welt und der ganzen Hölle; alles muss umfallen vor der Macht Seines Namens (Nr. 858). Das Jesus-Gebet ist wie ein Pfeil, der die Himmel durchbohrt und vor Gottes Thron gelangt. Möge es jeden Tag in uns die Sehnsucht nach Gott erwecken.

Barmherzigkeit Gottes, Rast der Herzen, Friede inmitten des Schreckens – ich vertraue auf Dich.  (Nr. 949)

P. Stanislaw Witkowski MS, Krakau

 

Aus dem Tagebuch der hl. Schwester Faustyna:

Die Seele sollte wissen – um zu beten und im Gebet durchzuhalten, muss sie sich in Geduld hüllen und mutig äußere und innere Schwierigkeiten überwinden. Die inneren Schwierigkeiten - Lustlosigkeit, Trockenheit, Schwerfälligkeit, Versuchungen; die äußeren – menschliche Rücksicht [...] (Nr. 147)

Im Gebet finde ich immer Erleuchtung und Geisteskraft [...]. (Nr. 166)

[...] Gebet [ist] nützlicher als Rat. (Nr. 1290)

Meine Tochter, gib Mir Seelen. Wisse, dass es deine Aufgabe ist, für Mich Seelen zu gewinnen durch Gebet [und] Opfer. (Nr. 1690)

Mit Dir zu reden, Herr, ist die Wonne meines Herzens; in Dir finde ich alles, was mein Herz begehrt. (Nr. 1692)

Aus: "In den Strahlen der Barmherzigkeit" - Verlag La Salette

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