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19.01.12 18:48 Alter: 8 yrs

Bekehrung

 

Im Tagebuch der Schwester Faustyna lesen wir: Mit Meiner Barmherzigkeit verfolge Ich die Sünder auf all ihren Wegen, und wenn sie zu Mir zurückkehren, freut sich Mein Herz. Die Bitterkeit, mit der sie Mein Herz getränkt haben, vergesse Ich und freue Mich über ihre Rückkehr (Nr. 1728).

Gott begleitet uns ständig mit seiner Barmherzigkeit. Das bezeugt auch das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16). Es zeigt einen Gutsbesitzer, der zu verschiedenen Tageszeiten hinausgeht und Arbeiter anwirbt. Er sucht sie um drei Uhr, um sechs, neun und elf Uhr, also nach unserer Zeitrechnung um 9.00, 12.00, 15.00 und 17.00 Uhr. In der jüdischen Zeitrechnung zählte der Tag  zwölf Stunden.

Barmherzigkeit sucht uns, bildlich gesprochen, in unserer Jugend (9.00), in unseren besten Jahren (12.00), im reifen Alter (15.00) und im sehr fortgeschrittenem Alter (17.00). Gott ist sehr geduldig, doch er nutzt jede Situation, uns zu bekehren.

Ein Mensch war nicht imstande, einem Löffel Zucker in sein Glas Tee zu geben, weil seine Hände stark zitterten. Er war alkoholabhängig. Er erlebte diese Peinlichkeit in der Öffentlichkeit und erst dann öffneten sich seine Augen. Er sah die Notwendigkeit, sein Leben zu ändern.

Der barmherzige Jesus ruft uns zu sich: Sage den Sündern, dass Ich stets auf sie warte, dass ich am Pulsschlag ihres Herzens höre, wann es für Mich zu schlagen beginnt (Nr. 1728). Gott sieht immer mit Aufmerksamkeit auf uns. Wir müssen jedoch die Stunde erkennen, in der er uns aufsucht, um die persönliche kairos, das heißt  „die Zeit der Gnade“ nicht zu verschlafen.

Im Evangelium nach Matthäus klagt Jesus: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! (Mt 11,21). Die von ihm genannten Städte waren besonders privilegiert. Sie waren am nördlichen Ufer des Sees Genezareth gelegen, an einem Ort, an dem Jesus intensiv wirkte. Betsaida war die Stadt der Apostel Philippus, Andreas und Petrus. Chorazin hingegen befand sich knapp drei Kilometer von Kafarnaum entfernt, der Stadt, die Zeuge vieler von Jesus vollbrachter Wunder war. Sie besaß eine Synagoge, eine der größten in der Gegend. Das Beispiel von Betsaida und Chorazin bestätigt, dass man selbst viele Gnaden erleben oder an anderen sehen kann und trotzdem verharrt und sich nicht bekehrt. Man kann immun werden gegen das Wort Gottes und sich nur auf sich selbst konzentrieren.

Die Verstocktheit von Betsaida und Chorazin wird durch weitere Worte Jesu beschrieben: Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – man hätte dort in Sack und Asche Buße getan (Mt 11,21). Tyrus und Sidon waren Phönizier-Städte, Hafenstädte. Sie waren durch den Handel, durch ihren Reichtum, aber auch Prostitution und moralischen Verfall bekannt. Jesus offenbart, dass derjenige, der sich bekehrt demütig wird und sich selbst erkennt. Er erlebt die Wahrheit der Worte: Wir sind stark, aber mit Deiner Kraft; wir sind heilig dank Deiner Heiligkeit. Was sind wir aus uns selbst? Weniger als nichts... (Nr. 1655).

Gleichgültigkeit gegenüber den Worten und Taten Jesu gebiert Verstockung. Sie verschließt uns der Gnade und lässt uns Gottes Kraft, die sogar von den Fesseln des Reichtums und des Fleisches befreit, nicht erfahren. Nun verstehen wir die Worte besser, die Jesus an die Hohenpriester und Schriftgelehrten richtet: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr (Mt 21,31). Der Originaltext lautet an dieser Stelle „gelangen eher“ wörtlich „überholen euch“. Dieser Satz hat einen ausschließenden Charakter und bedeutet: „Sie (die Zöllner und Dirnen) gehen hinein, ihr aber (Priester und Schriftgelehrte) nicht“.

Ein eindrucksvolles Bild der Gnade der Bekehrung gab uns Zachäus (Lk 19,1-10). Er war der oberste Zollpächter, ein sogenanntes großes Tier. Jesus rief ihn beim Namen, obwohl er ihn zum ersten Mal sah: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein (Lk 19,5). Zachäus´ Reaktion war erstaunlich. Er beschloss, die Hälfte seines Vermögens an Arme zu verschenken, und denen er ein Unrecht angetan hatte, Vierfaches zu erstatten. So gab er mehr als nach den gesetzlichen Bestimmungen üblich.  Nach der Lehre der Rabbiner gab man den Armen höchstens ein Fünftel seines Vermögens. Wenn jemand etwas gestohlen hatte, sollte er das Gestohlene zurückgeben und ein Fünftel des Wertes dazu.

Zachäus häufte materiellen Reichtum an, er war im weltlichen Sinne ein reicher Mann. Nach der Begegnung mit Jesus begann er zu verschenken. Er wurde geistig reich. Er nahm den Herrn mit Freude auf, obwohl ihn fromme Pharisäer streng verurteilten. Zachäus´ Geschichte lehrt uns, dass die Bekehrung auch unseren Geldbeutel berührt. Jemand, der Geld unterschlagen hat, kann ein Heiliger werden. Voraussetzung ist, dass er das sich unrechtmäßig Angeeignete zurückgibt oder, falls nicht möglich, verschenkt und den entstandenen Schaden wieder gutmacht.

Die Rückkehr zu Gott ist möglich. Die Prostituierte Maria Magdalena war von sieben Dämonen besessen (vgl. Lk 8,3), das bedeutet von der Fülle des Bösen. Sie wurde befreit. Die Psychologie meint, dass Prostitution eine stärkere Sucht ist als Alkoholismus. Doch jede Sucht kann man überwinden. Die Gnade, die Maria Magdalena erhielt, bewirkte, dass sie treu unter dem Kreuz stehen konnte. Die Dankbarkeit für das, was sie empfangen hatte, war stärker als die Angst, der die Apostel erlagen.

Auch der verlorene Sohn tat viel Unzüchtiges (vgl. Lk 15,11-23). Gott sprach zu ihm, wie wir  im Tagebuch lesen: durch Gewissensbisse, durch Misserfolg und Leiden, durch Gewitter und Blitze (Nr. 1728). Schließlich dachte er nach, ging in sich und erinnerte sich an die Barmherzigkeit: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt (Lk 15,18). Er wusste nicht einmal, dass er Gott damit die größte Ehre erwiesen hatte (vgl. Nr. 378).

Mögen die oben zitierten Beispiele aus dem Evangelium auch für uns eine Aufforderung sein,  uns von Jesus finden zu lassen und uns immer wieder zur Rückkehr zu ihm rufen zu lassen.

Barmherzigkeit Gottes, die uns durch unser ganzes Leben begleitet – ich vertraue auf Dich. (Nr. 949)

P. Stanislaw Witkowski MS, Krakau

Aus: "In den Strahlen der Barmherzigkeit" - Verlag La Salette

Das Buch "In den Strahlen der Barmherzigkeit" können Sie in Sammarei am Schriftenstand kaufen (3 Euro) oder auch bestellen. Wir schicken es Ihnen sehr gerne.

Aus dem Tagebuch der hl. Schwester Faustyna:

Meine Leiden verband ich mit dem Leiden Jesu und opferte sie für mich und für die Bekehrung jener Seelen auf, die an Gottes Güte zweifelten. (Nr. 323)

Du tröstest Mich immer, wenn du für die Sünder betest. (Nr. 1397)

Gebet ist Mir am liebsten, und zwar um die Umkehr der Sünder; wisse, Meine Tochter, dass dieses Gebet immer erhört wird. (Nr. 1397)

Der Versucher spricht [...]: Die Sünder bekehren sich ohne deine Gebete. (Nr. 1497)

Die Bekehrung, wie auch das Ausharren in ihr, ist Gnade Meiner Barmherzigkeit. (Nr. 1577)